Tagung Begabungsförderung

«Wir wollen nicht Fehler beheben, sondern Stärken fördern!»

3. April 2019; Begabungen bei Kindern bleiben in Schulen oft unerkannt. Deshalb fand an der Pädagogischen Hochschule St.Gallen (PHSG) am 30. März 2019 eine Tagung für Lehrpersonen und Fachleute im Hochschulgebäude Mariaberg in Rorschach statt. 

Begabungsförderung ist zurecht ein weit gefasster Begriff, denn jeder ist anders und hat individuelle Stärken und Schwächen. Diese müssen in der Schule erst einmal entdeckt und anschliessend entsprechend gefördert werden. Die Pädagogische Hochschule St.Gallen und Graubünden sowie das Amt für Volksschule St.Gallen setzen sich dafür ein. Nach den Begrüssungsworten von Rektor Horst Biedermann nahmen die Anwesenden an verschiedenen Referate und Workshops teil.  

«Man muss nicht hochbegabt sein, um Begabung zu fördern»
Frau Dr. Stamm, Professorin für Erziehungswissenschaften, unterstrich in ihrem Referat, die Wichtigkeit solcher Förderungen. Sie erklärte mit anschaulichen Statistiken, wie prägend sich Herkunft sowie Elternhaus auf die Zukunft der Kinder auswirke. Es werde schon früh entschieden, wer später eine akademische Laufbahn einschlagen. 
Die Entwicklung gehe nicht immer mit den individuellen Stärken oder Wünschen eines Kindes einher. So herrsche am Gymnasium Überforderung und in der Berufsschule Unterforderung.

Begeisternde Beispiele
Wie Begabungsförderung aussehen kann, zeigten Schülerinnen und Schüler des Schreibprojektes «Viermeilenstiefel». In gemeinsamer Arbeit schrieben 61 Schülerinnen und Schüler aus vier Ländern das Buch «Viermeilenstiefel». An der Tagung lasen sie Abschnitte aus dem Buch vor, spielten zwei Szenen und erzählten von ihrem neuen Projekt: Eine Führung von Primarschülern durch den Stiftsbezirk in St.Gallen. Die Beispiele begeisterten die Anwesenden.

Lernvideos für alle Stufen
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer besuchten zwei von zehn angebotenen Workshops. Präsentiert wurden verschiedene Unterrichtsmodelle. Ebenso wurde Wissen vermittelt, wie einfache Lernvideos produziert werden können. Lehrpersonen und Professoren er-zählten von ihrer Arbeit mit (Hoch)begabten Kindern. 

Ein hoher IQ sagt nichts über die Leistung aus
Hochbegabte Kinder können durch die Schulzeit schreiten, ohne je aufzufallen. Warum? Prof. Dr. habil. Thomas Trautmann von der Universität Hamburg gab in seinem Referat auf humorvolle Weise Antwort auf diese Frage. Er führte aus wie äussere und innere Vorgänge zusammenspielten und fasste zusammen was für negative und positive Einflüsse Mitschülerinnen und Mitschüler, Eltern und Lehrpersonen hätten. Dies ergebe zum Schluss ein komplexes Bild, das sich mit einem Haufen Mikado Stäbchen vergleichen liesse.

Nicht heute sondern morgen
Mit aller Deutlichkeit vermittelte dieser Tag die Wichtigkeit der Entdeckung und Förderung von Begabungen. In der Schule sollten die Kinder nicht ausschliesslich auf das Leben in der heutigen Zeit vorbereitet werden, sondern mit ihren ganz eigenen Stärken bereit sein, mutig in die Zukunft zu schreiten.

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