PHSG bringt Wissenschaft und Praxis näher zusammen

Die Pädagogische Hochschule St.Gallen (PHSG) möchte Praxis und Wissenschaft stärker verknüpfen. Dies ist notwendig, um den steigenden Ansprüchen in der Lehrerausbildung gerecht zu werden. Unter anderem sollen sich Lehrpersonen zu Praxis-Dozierenden ausbilden können und so an der Schnittstelle von Volksschule und Pädagogischer Hochschule arbeiten. Am diesjährigen Mediengespräch der PHSG mit Regierungspräsident Stefan Kölliker und Rektor Horst Biedermann wurden drei aktuelle Projekte aus Praxis und Wissenschaft vorgestellt.

Zwei wichtige Entwicklungen im Bereich der Lehrerinnen- und Lehrerbildung standen am diesjährigen Mediengespräch der PHSG im Mittelpunkt. Einerseits hat die PHSG Kooperationsverträge mit der Universität Zürich und der Paris-Lodron-Universität in Salzburg ausgehandelt. Lehrpersonen und Dozierende mit einem Master-Abschluss haben die Möglichkeit, im Rahmen von Doktoratsstudiengängen eine wissenschaftliche Karriere anzustreben. Die Dissertationen können gemeinsam von den Hochschulen betreut werden. Zudem laufen Bestrebungen, Wissenschaft und Praxis stärker zu verknüpfen: Lehrpersonen sollen sich zu Praxis-Dozierenden weiterbilden können. Dazu absolvieren interessierte Lehrpersonen einen CAS Praxisdozent/Praxisdozentin und gehen ein Tandem mit einer Dozentin oder einem Dozenten der PHSG ein. Beide Fachpersonen erwerben über diese Tandem-Zusammenarbeit Kompetenzen im anderen Berufsfeld und verfügen damit über ein doppeltes Kompetenzprofil. Die Lehrperson soll ihr so erworbenes Wissen an ihrer jeweiligen Schule weitergeben.

Durch diese beiden Massnahmen werden die beruflichen Perspektiven für Lehrpersonen erweitert und gleichzeitig der Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis gestärkt. Letzteres ist laut Horst Biedermann, Rektor der PHSG, notwendig, weil es zunehmend schwieriger wird, qualifizierte Dozierende zu finden, die den steigenden Anforderungen in der Lehrpersonenbildung gerecht werden. «Unsere Strategie ist es daher, unsere Mitarbeitenden selber zu fördern und weiterzubilden», sagt Biedermann. Ergänzend dazu hat der Hochschulrat laut Stefan Kölliker, Präsident des Hochschulrates und Regierungspräsident, eine Studie in Auftrag gegeben. Diese untersucht, wie sich die Situation rund um den Lehrpersonenmangel in den kommenden Jahren entwickeln wird. 

Anschliessend wurden drei Projekte vorgestellt, die aufzeigten, wie sich Wissenschaft und Praxis im Schulalltag ergänzen. So wurde beispielsweise vor einem Jahr im Rahmen des Lehrplans 21 das neue Fach «Medien und Informatik» im Studiengang Sekundarstufe I eingeführt. Mit zunehmender Digitalisierung brauchen die Jugendlichen neue Kompetenzen für den Umgang mit der vernetzten Welt. Um diese vermitteln zu können, benötigen die Lehrpersonen fachliche und überfachliche Kompetenzen. Gemäss Ralph Kugler, Co-Leiter des Instituts ICT & Medien, haben ein Drittel aller Studierenden das Unterrichtsfach «Medien und Informatik» gewählt. «Das sind viel mehr als wir erwartet haben», sagt er. Zu den Erkenntnissen des Projektes gehören, dass sich viele Studierende für das Fach entschieden haben, obwohl sie keine konkrete Vorstellung von dessen Inhalten hatten. Als Grund für ihre Wahl gaben sie beispielsweise an, dass sie sich dadurch gute Berufschancen errechnen oder nicht von der nächsten Generation überholt werden wollen.

Ein weiteres Projekt ist «Erzähl mir die Umwelt», in dem Storytelling als Unterrichtsmethode angewendet wird. Anhand des Beispiels der weltweit 86 Millionen Tonnen Plastikmüll im Meer geht Florian Rietz, Dozent und Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut Fachdidaktik Naturwissenschaften und am Institut Professionsforschung & Kompetenzentwicklung, den Fragen nach, wie die Umweltbildung scheitern konnte. «Denn nur weil Jugendliche etwas wissen, ändern sie ihr Verhalten nicht», sagt er. Mit Hilfe einer eindrücklichen Geschichte – daher der Begriff Storytelling - statt mit dem pädagogischen Zeigefinger sollen die Kinder und Jugendlichen zum kritischen Denken angeregt werden. Sie lernen etwa, sich auf verschiedene Perspektiven und Ansichten einzulassen und entwickeln dadurch ein tieferes Verständnis für eine Thematik. 

Bei dem Projekt «Viermeilenstiefel» geht es darum, Kinder im kreativen Schreiben zu fördern und zugleich ihr Interesse für geschichtliche Themen zu entwickeln. Sie haben sich dabei in den vergangenen Monaten auf die Spuren historischer Personen aus St.Gallen begeben, Museen besucht und recherchiert. Aus den recherchierten Informationen erarbeiteten sie ein Buch. Das Projekt fand in Zusammenarbeit mit Schulklassen aus vier verschiedenen Ländern statt. Die Kinder lernten laut Marion Rogalla, Dozentin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut Lehr- und Lernforschung, fliessend und deutlich vorzulesen, zu kommentieren, Rückmeldungen zu geben und sie trainieren ihre Auftrittskompetenz.