Moderatorin und Moderator unterhalten sich auf der Bühne

OKB Symposium 2021 «Lebenslanges Lernen – Verheissung oder Verpflichtung?»

10. Dezember 2021: Vom lebenslangen Lernen wird viel gesprochen. Für die Arbeitgebenden ist es nicht dasselbe wie für die Arbeitnehmenden. Am diesjährigen OKB-Symposium am 10. Dezember 2021 in St.Gallen diskutierten über 200 Fachpersonen aus dem Bereich der Berufsbildung über dieses Thema. Stimmen aus der Wirtschaft, Aussensichten und philosophische Gedanken von Ludwig Hasler rundeten den Tag ab. 

Wann und warum haben Sie Ihre letzte Weiterbildung gemacht? Mit dieser Frage startete das Symposium mit eingeblendeten Antworten von Teilnehmenden. «Schon seit Jahrzehnten ist das lebenslange Lernen in aller Munde» begrüsste Prof. Dr. Maximilian Koch, Studiengangsleiter Sekundarstufe II / Berufsbildung an der Pädagogischen Hochschule St.Gallen sowie Geschäftsführer des OKB die Teilnehmenden, des 11. OKB Symposiums. Doch dass dieses tatsächlich gesetzlich verankert sei, sei wenig bekannt. Im Berufsbildungsgesetz der Schweiz umfasse die Berufsbildung unter anderem die Vermittlung und den Erwerb «der Fähigkeit und Bereitschaft zum lebenslangen Lernen sowie zum selbstständigen Urteilen und Entscheiden».

Rémy Hübschi, Vizedirektor des SBFI erläuterte, was das SBFI unternimmt, um «Silodenken» in der Berufsbildung aufzubrechen, die Akteure im Weiterbildungsmarkt zu koordinieren und Demographietrends entgegenzuwirken. Die Schweiz sei mit einer sehr hohen Weiterbildungsquote quasi Europameisterin der Weiterbildung, rund 5 Mia. Franken würden jährlich in die Weiterbildung investiert. Damit es vom Weiterbildungswunsch tatsächlich zu einer Anmeldung komme, brauche es gute Rahmenbedingungen wie beispielsweise die Unterstützung der Arbeitgebenden, zeitliche und finanzielle Ressourcen und positive Bildungserfahrungen. Die Weiterbildung in der Schweiz sei ein sehr filigranes, durchlässiges und aufeinander abgestimmtes System, das sich ständig wandeln und anpassen müsse. Das sei aufwändig, werde aber vom Ausland oft bewundert. Weiter führte er aus: „Im Rahmen der Initiative «Berufsbildung 2030» richtet das SBFI beispielsweise die Berufsbildung auf das lebenslange Lernen aus und flexibilisiert Bildungsangebote. Die Berufsentwicklung schafft eine Verknüpfung zwischen Arbeitsmarktentwicklung und dem Bildungssystem. Dies ist aufwändig, aber essentiell. Mit der Projektförderung und der Förderung der Weiterbildungsforschung steht stets im Zentrum, das System weiterzuentwickeln. Coachings für KMU, Unterstützung der Branchenverbände und Leistungsvereinbarungen mit Weiterbildungsorganisationen runden die Bestrebungen ab.“

Pitches zum Einstieg ins gewünschte Forum

Nach den Einführungsreferaten entschieden sich die Teilnehmenden anhand der Pitches von fünf Referent:innen für ein Forum. Rémy Hübschi diskutierte über Bildungsbiografien und was der Bund machen kann, um Hindernisse abzubauen. Anja Rigamonti, Psychologin und Laufbahnberaterin, beschäftigte sich mit ihren Forumsteilnehmenden mit dem Credo des 21. Jahrhunderts – sich immer wieder neu zu erfinden – mit der Frage: Wozu? Sie ermunterte, sich zu trauen und zu vertrauen, genau hinzuschauen, wo man steht und sich zu fragen, was es noch braucht. 

Der Weiterbildungsanbieter Mario Müller-Rottmann, CEO des Beratungs- und Schulungsunternehmens Percoms AG, stellte seine Methode des Transformationalen Lernens und die von ihm entwickelte Lernmanagementsoftware vor. Er gab Einblick hinter die Kulissen, indem er erzählte, wieso er vom Präsenzunterricht zum Blended Learning gewechselt hat und wo die Grenzen seiner Methode sind. 

Die Sicht eines Arbeitgebers zum lebenslangen Lernen legte Ivo Riedi, Leiter Grundbildung der SFS, dar. Die Frage an ihn lautete: Sind Arbeitgebende nur an der Produktivitätssteigerung ihrer Mitarbeitenden interessiert, als reine Nutzenoptimierung? Laut Ivo Riedi ist eine Laufbahn ein Mosaik, das sich ständig weiterformt und bei dem die SFS versucht, mitzuformen. Es brauche oft viel Motivierung der Mitarbeitenden und eine Weiterbildungskultur seitens Arbeitgeber. Jedoch: „Was Arbeitnehmende mitbringen und was Arbeitgebende brauchen, muss matchen“, so Riedi. Auch Themen wie Digitalisierung und Fachkräftemangel beschäftigten die SFS stark und hier müssten unkonventionelle Lösungen gefunden werden. Die SFS sei noch nicht am Ziel, sondern auf dem Weg. 

Der Überraschungsgast Daniel Frei, Mitbegründer von tibits, erzählte in seinem Forum von seinem persönlichen Lebensweg und was das lebenslange Lernen mit dem Kochen zu tun hat. Die Grundzutaten müssten stimmen, man sollte möglichst viel ausprobieren und das eigene Rezept perfektionieren sowie mit Liebe, Leidenschaft und Humor vorgehen. Die Mise en Place sei der halbe Service und Flexibilität ein Muss. 

Digitale Transformation und 3L

Lisa-Katharina Guggenmos, Co-Innovatorin, widmete sich der digitalen Transformation und wie entscheidend die Digitalisierung für den Unternehmenserfolg ist. Sie stellte fest, dass sehr viele Unternehmen mit digitalen Projekten unterwegs seien, jedoch wenige Projekte wirklich abgeschlossen würden. Die Wirtschaft sei ein Innovationstreiber – laut Guggenmos sei man jedoch nach der digitalen nun in einer neuen Ära angekommen: der «Purpose Ära». Die Wirtschaft müsse sich neu erkennen, müsse lernen, gesellschaftlich relevante und lohnende Produkte auf den Markt zu bringen. Vom Shareholder zum Stakeholder Value. Auch im Finanzmarkt zeige sich bereits sehr deutlich, dass nachhaltige Investments stark zunähmen. Unternehmen seien jedoch dabei stark abhängig von der Innovationskraft ihrer Mitarbeitenden. 

Eine philosophische Sicht auf 3L

3L auch nach dem 65. Geburtstag – der Philosoph und Publizist Ludwig Hasler berichtete, was es aus philosophischer Sicht heisst, ein ganzes Leben lang zu lernen. „Ist es wichtig, immer das scheinbar Brauchbare zu lernen? Brauchen wir mehr gesellschaftliche Bildung? Sollten wir bei der vielen Fortbildung nicht wieder mal eine «Rückbildung» zu uns selbst machen? Anerkennung ist die Währung des Menschen. Im Alter, wenn vieles abnimmt, sollte die geistige Fähigkeit wachsen. Die persönliche Motivation ist entscheidend, ob man lernt. Innovation kann nicht verordnet werden“, so Hasler. 

Musik und Austausch

Musikalische Highlights bot das Harder & Sigrist Accoustic Jazz Duo. Zusammen mit Maximilian Koch moderierte auch Sabrina Keller, Berufsweltmeisterin und Mentalcoach mit zahlreichen Weiterbildungen, welche das lebenslange Lernen aus eigener Erfahrung kennt.
Beim anschliessenden Netzwerk- und Farewell-Apéro konnten die Gäste Erfahrungen austauschen und den Anlass ausklingen lassen.

Das nächste OKB Symposium findet am 9.12.2022 statt – zum Thema «Lernschwierigkeiten, Psychosen und Traumata bei Lernenden – beobachten. verstehen. bewältigen.»

DAS OKB Symposium ist eine Kooperation zwischen der Pädagogischen Hochschule St.Gallen (PHSG), dem Institut für Wirtschaftspädagogik der Universität St.Gallen (IWP-HSG) und dem Zentrum für berufliche Weiterbildung (ZbW).

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