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Unterricht

Verantwortung übernehmen und Selbstständigkeit fördern

16 Studierende der Pädagogischen Hochschule St. Gallen (PHSG) haben während einer Woche den Unterricht in der Primarschule Balgach übernommen. Das Projekt «Studierende machen Schule» bereitet angehende Lehrpersonen realitätsnah und ohne Begleitung einer Lehrperson auf den Berufseinstieg vor.

Neun Klassen des Balgacher Primarschulhauses Berg erlebten eine besondere Schulwoche: Statt der gewohnten Lehrpersonen standen Studierende der Pädagogischen Hochschule St.Gallen (PHSG) vor den Schüler:innen. Die angehenden Lehrpersonen übernahmen den Unterricht während mehrerer Tage vollständig und in eigener Verantwortung. Klassenlehrpersonen waren nicht anwesend.

Für die Kinder war dies eine «coole Abwechslung», wie sie selbst sagten, für die PHSG Teil eines bewusst aufgebauten Ausbildungsprogramms. Mit dem Schwerpunktstudium «Studierende machen Schule» (SMS) setzt die PHSG gezielt auf einen vertieften Praxisbezug in der Ausbildung angehender Lehrpersonen. «Der Einstieg in den Beruf kann für Lehrpersonen herausfordernd sein», sagt Paul Quan, der als PHSG-Dozent das Schwerpunktstudium zusammen mit Ruth Lehner, ebenfalls Dozentin an der PHSG, leitet und gleichzeitig Co-Schulleiter in Balgach ist. «Viele Berufseinsteigende erleben im ersten Schuljahr eine hohe Belastung, weil sie mit einer Vielzahl von Aufgaben und anspruchsvollen Klassensituationen konfrontiert sind, die in den Praktika kaum erprobt werden.» Mit dem Projekt SMS soll hier angesetzt und die Selbstständigkeit und Problemlösungsfähigkeit der Studierenden gestärkt werden. «Je realer das Übungsfeld ist, desto sicherer werden die angehenden Lehrpersonen im Umgang mit Verantwortung, Entscheidungen und unerwarteten Situationen», ergänzt Ruth Lehner.

Neun Klassen und 16 Studierende
Zwar unterrichten alle PHSG-Studierenden während mindestens 20 Wochen in verschiedenen Praktika. «Der Unterschied zum Projekt SMS ist aber, dass in den Praktika immer eine Lehrperson im Unterricht anwesend ist», sagt Ruth Lehner. In der Woche, in der die Studierenden das Schulhaus Berg übernahmen, galt für die Lehrpersonen hingegen «Schulhausverbot», wie Paul Quan mit einem Augenzwinkern anfügt. Sie nutzten die unterrichtsfreie Zeit für interne Weiterbildungen und Schulentwicklungsprojekte.

Die neun Klassen wurden von insgesamt 16 Studierenden geführt. In sieben Klassen unterrichteten jeweils zwei Studierende gemeinsam, in zwei Klassen jeweils eine Studierende. Auf diese Aufgabe vorbereitet wurden sie seit Beginn des Herbstsemesters 2025. Die angehenden Lehrpersonen lernten die Schüler:innen frühzeitig kennen, planten gemeinsam mit den Klassenlehrpersonen Lektionen und reflektierten ihr Unterrichtshandeln anhand von Rückmeldungen von Lehrpersonen und PHSG-Dozierenden. Anfang Januar wurde die Übergabe mit gemeinsamen Tagen abgestimmt, bevor es für die Studierenden dann in der Woche vom 12. bis 16. Januar 2026 ernst galt.

«Sie haben uns von Anfang an akzeptiert»
Amela Bajrami und Aurora Ademaj unterrichteten eine fünfte Klasse. Als schön, intensiv und lehrreich beschreiben die beiden PHSG-Studentinnen im dritten Studienjahr die SMS-Woche. «Ohne ausgebildete Lehrperson im Hintergrund vor einer Klasse zu stehen, ist ein einmaliges Setting», sagen sie. Umso erstaunter waren sie darüber, wie gut die Kinder mitmachten. «Sie haben uns von Anfang an akzeptiert und auf unsere Anweisungen gehört», sagt Amela Bajrami. Herausfordern sei vor allem die Vorbereitung gewesen. «Nicht nur der Unterricht, auch das ganze Organisatorische hat viel Zeit gebraucht», erzählt Aurora Ademaj. Sie würden dieses Projekt aber jeder angehenden Lehrperson weiterempfehlen.

Ebenfalls positiv blicken Alisha Dölliger und Patricia Kolb auf ihre Woche mit einer dritten Klasse zurück. «Es hat von Anfang an gut funktioniert», sagt Patricia Kolb. Die Kinder hätten zwar zu Beginn die Grenzen ausgetestet, «aber wir haben im Vorfeld im Team klare Abmachungen getroffen, wie wir in solchen Situationen reagieren». Besonders berührt hat die PHSG-Studentinnen im zweiten Studienjahr, wie schnell sie von den Kindern akzeptiert wurden. «Sie haben uns sofort vertraut, waren nicht skeptisch und haben uns stark in Anspruch genommen», sagt Alisha Dölliger. Herausfordernd war, die Klasse und ihre Kompetenzen richtig einzuschätzen. «Das Tempo zu finden und spontan zu reagieren, war anspruchsvoll.» Trotzdem: «Wir hätten gerne weitergemacht.»

Als Abschluss des Projekts werden die Studierenden ihre Erfahrungen in den nächsten Tagen reflektieren und diese gemeinsam mit PHSG-Dozierenden diskutieren.