Die Stimme macht Stimmung

An der Praxisleiter-Tagung vom Samstag, 18. August 2018 rückte Ingrid Amon, Expertin für Stimm- und Sprechtechnik, die Bedeutung der Stimme in den Fokus der Praxislehrpersonen. Eindrücklich machte sie den Oberstufen Lehrpersonen bewusst, wie stark die Stimme wirkt und was sie beeinflusst.

Die Stimme ist unser Transportmittel für Information und Kommunikation. «Für Lehrerin-nen und Lehrer wird die Stimme oft erst wichtig, wenn sie nicht mehr richtig funktioniert», bemerkte Ingrid Amon einleitend. Die Expertin für Stimm- und Sprechtechnik referierte an der Praxisleiter-Tagung «Gut bei Stimme – richtig sprechen im Unterricht». An dieser Weiterbildung spiegelte sie den Anwesenden die Bedeutung und Wirkung der Stimme.

Tonfall und Redefluss
«Am Ton hört man die Absicht und ob eine Botschaft glaubwürdig ist», betonte die Refe-rentin und fügte an: «Nicht von ungefähr kommt die Aussage, eine Stimme geht unter die Haut.» Lehrerinnen und Lehrer sollten sich stärker bewusst sein, dass vor allem jun-ge Kinder über feine Antennen verfügen. Bereits bei der Begrüssung erkennen sie, wie die Stimmung an diesem Unterrichtstag sein wird.
Entscheidend ist auch, dass Aussehen und Stimme übereinstimmen. Sonst bestehe die Gefahr, dass man die eigene Wirkung sabotiere und als weniger kompetent betrachtet werde. Anschaulich zeigte die Referentin auf, was eine unangenehme Stimme, ein zu hoher Tonfall, ein zu schneller, hektischer Redefluss oder Angewohnheiten, wie ständi-ges Räuspern oder sich stetige wiederholende Phrasen, bei den Zuhörenden bewirkt. «Man übernimmt den Zustand des Redners, der Rednerin und fühlt sich plötzlich selber angespannt oder nervös.». Ingrid Amon machte deutlich: «Holt ein Redner kaum Luft, beginnt das Publikum für ihn nach Luft zu schnappen oder hängt ab, wenn er sich in seinen Ausführungen verliert.»

Stimme als Schlüsselinstrument
Gebannt hörten die Oberstufenlehrpersonen, die Studierende des Studiengangs Sekun-darstufe I auf die Praxis vorbereiten, den temperamentvoll vorgetragenen Erklärungen zu. In ihren Ausführungen veranschaulichte Ingrid Amon warum sich Menschen öffnen, wenn wir die Stimme als Schlüsselinstrument einsetzen. Über die Stimme erreicht man im Schulzimmer Schülerinnen und Schüler oder bewirkt, dass sie sich unserer Botschaft verschliessen. Eine Tatsache, die nicht nur auf die Schule zutrifft. «Überall gilt: Stimme macht Stimmung», ist die Expertin überzeugt. Ob etwas ankommt, hängt also nicht bloss von der Wissensvermittlung ab, sondern vor allem von der Art und Weise, wie wir etwas vortragen. «Es reicht nicht aus, wenn eine Lehrperson gehört wird», so die Expertin: «Nein, durch ihre Stimme müssen Sie die Klasse zu einer Handlung verleiten und eine Verbindung herstellen. Auch wenn wenig gesagt wird, es muss ein Dialog entstehen.»

Aufwärmübungen vor dem Unterricht
Aus Erfahrung weiss Ingrid Amon, dass die meisten Leute wenig über ihre Stimme wis-sen und erklärte: «Als Stimmtrainerin kann ich ihnen keine andere Stimme verleihen. Ich kann Ihnen bloss die Technik vermitteln, damit Sie ihre Stimme aufrüsten und besser nutzen können.» Mit praktischen Stimm- und Lockerungsübungen untermalte sie, was sie damit meint und ermunterte die Lehrerinnen und Lehrer ihr «Stimmklavier» aufzumachen. Und sie erinnerte die Anwesenden daran, dass viel Trinken, das ideale Schmier-mittel für die Stimme ist.
Damit alle Praxislehrerinnen und -lehrer von diesen Ausführungen profitieren konnten, wurde die Tagung «Gut bei Stimme – richtig sprechen im Unterricht» fünf Mal durchge-führt. Am Samstag, 18. August 2018 fand im PHSG-Hochschulgebäude in Gossau der letzte Weiterbildungsvormittag statt. Organisiert wurde die Tagung von Heini Beer und Rolf Engler. Zum Abschluss dieser Veranstaltung fungierten die beiden Leiter der Be-rufspraktischen Studien des Studiengangs Sekundarstufe I noch als «Glücksfee». Drei Mal verlosten sie Ingrid Amons Buch «Gut bei Stimme – Der Spezialratgeber für Lehrkräfte».

Weitere Infos zu Ingrid Amon, ihren Publikationen und Kursen finden sich auf www.iamon.at