Die Schule der Zukunft besteht aus Vorbildern und Selbstdenkern

Rund 60 Bildungsinteressierte liessen sich am 31. Oktober 2018 vom Impulsreferat von Margret Rasfeld und der anschliessenden Podiumsdiskussion zum Thema «Schule der Zukunft» inspirieren. Vorangegangen waren zwei Workshops mit Schülerinnen und Schülern sowie Lehrpersonen, Dozierenden und Studierenden des Bildungs- und Hochschulstandortes Gossau. 

Als Auftakt der Abschlussveranstaltung wurden Videoaufnahmen aus den Workshops gezeigt, die sich mit dem Thema «Zukunft der Schule» befassten. «Vielleicht werden wir in 50 Jahren ein Fach «Mit Menschen umgehen» haben, weil wir wegen all diesen Me-dien verlernt haben, mit Menschen umzugehen.» Mit dieser Aussage regte eine Schüle-rin der Maitlisek Gossau die Anwesenden zum Nachdenken an. 

Kreativität als Problemlöser 
Die Bildungsinnovatorin Margret Rasfeld führte in ihrem Impulsreferat aus, dass in der Schule ein Paradigmenwechsel nötig sei. Bildung sei ein Schlüsselfaktor für Nachhaltig-keit. Doch die heutige Schule sei nach wie vor auf die Gesellschaft der Industrialisierung ausgerichtet. Tatsächlich müsse die Entwicklung weg von der Einzelaufgabe zu Lösun-gen in Teamarbeit gehen. In der Regel kennen Kinder die Aussage «geht nicht»  noch nicht. Im Gegenteil, Herausforderungen gehen sie mit viel Motivation und Kreativität an. 

Eindrücklich veranschaulichte die Referentin dies am Beispiel des sogenannten «NA-SA– Tests». Nachdem Fünfjährige einen Kreativtest für Ingenieure der NASA Gelöst hatten, wurden 98 Prozent der Kinder als sehr kreativ bzw. als Genie eingestuft. Als die Kinder den Test als Zehnjährige wiederholten, waren es nur noch 30 Prozent und bei den Fünfzehnjährigen waren es nur noch zwölf Prozent. Von den über eine Million Er-wachsener, welche den Test absolvierten, galten nur noch zwei Prozent als sehr kreativ. 

Die Schlussfolgerung, die Margret Rasfeld dem Publikum mitgab lautete: Offenbar ver-lieren Kinder während der Schulzeit die Fähigkeit, besonders kreativ zu denken. Um den Herausforderungen der Zukunft gewachsen zu sein, müsse jedoch genau dieses Poten-zial in der Schule gefördert werden. 

Nachhaltige Bildung
Mit einer ehemaligen Schülerin der Evangelischen Schule Berlin Zentrum tauchten die Anwesenden in ihre Schulzeit ein. Janine Tressel schilderte wie das starre Fächer-Korsett Deutsch und Mathematik durch Fächer wie «Verantwortung» oder dreiwöchige Outdoor Aktivitäten abgelöst wurde. Stets lautete das übergeordnete Ziel, Herausforde-rungen mit Kreativität zu begegnen. Im Fach «Verantwortung» engagierten sich Schüle-rinnen und Schüler in einer sozialen Institution und spürten dabei, welche Konsequen-zen ihr Handeln bewirkte. Der Umgang mit Ungewissheit, ein verinnerlichter Unterneh-mergeist und die Risikobereitschaft führe schliesslich dazu, dass Scheitern als Chance angesehen werde, war ihr Resümee. 

Vorbilder und Selbstdenker
An der Podiumsdiskussion wurden verschiedene Standpunkte kontrovers diskutiert. Während Margret Rasel und Janina Tressel das Vertrauen in Unbekanntes und neues Erproben mit Inbrunst vertraten, äusserten sich Urs Blaser, Schulpräsident Gossau, und Horst Biedermann vorsichtiger. Der Rektor der Pädagogischen Hochschule St.Gallen gab zu bedenken: Es solle verhindert werden, dass bei Kindern, die schon sehr früh sozialisiert werden, keine Überforderung entstehe. Urs Blaser brachte ein, dass er sich die beschriebenen Outdoor Aktivitäten sehr wohl vorstellen könne, diese aber in einen vorgegeben Rahmen passen müssten. Im Übrigen erfülle der neu eingeführte Lehrplan schon einige der genannten Forderungen. 

Judith Scherzinger, Wirtschaftsvertreterin, beleuchtete einen weiteren Aspekt. Die Feh-lerkultur, die an Schulen herrsche und die Lernende beim Eintritt in die Lehre mitbringen, würde kreative Lösungen oftmals blockieren. In kleinen und mittleren Unternehmen, wie sie mehrheitlich in der Schweiz vorkommen, sei die Fähigkeit, Probleme gemeinsam zu lösen elementar. 

Neue Wege begehen
Zum Schluss fasste Max Koch, Moderator und Studiengangsleiter Sekundarstufe II die Diskussion zusammen. Einstimme Zustimmung herrschte bei der Aussage, dass in Zu-kunft Vorbilder und Selbstdenker den (Schul)- Alltag prägen. 
Martin Annen, Prorektor Sekundarstufe I und II der Pädagogischen Hochschule St.Gallen bedankte sich bei allen, die zum erfolgreichen Gelingen dieses Tages beige-tragen haben und übergab das Schlusswort an Gerald Ziegler. Der Change Designer appellierte an die Gesellschaft, Impulse zu setzen, um Begeisterung auszulösen. Sein abschliessender Wunsch an alle: «Haben Sie den Mut, neue Wege zu gehen.»