Forschungskolloquium PHSG: Mehrsprachigkeit beim mathematischen Lernen
Mehrsprachigkeit beim mathematischen Lernen - Sprachbildung und mehrsprachige Repertoires in der Bedeutungskonstruktion
Donnerstag, 29. Januar 2026, 16.00 - 17.30 Uhr
Hochschulgebäude Hadwig, Zimmer H512 oder Teilnahme via
Beitrag von Ángela Uribe vom Institut Mathematische, Naturwissenschaftliche und Technische Bildung
Sprachbildung ist im Mathematikunterricht ein integraler Bestandteil fachlichen Lernens und eine zentrale Bedingung für mathematisches Verstehen sowie Lerngegenstand (Pimm, 1987; Prediger, 2020). Mathematische Bedeutungen entstehen dabei in sprachlichen Praktiken, in denen sie aufgebaut, ausgehandelt und weiterentwickelt werden, etwa durch Beschreiben, Erklären und Begründen (Erath et al., 2018). In sprachlich heterogenen Klassen bringen Lernende unterschiedliche sprachliche Repertoires in diese mathematischen Lernprozesse ein. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie Sprachbildung im Mathematikunterricht so gestaltet werden kann, dass Mehrsprachigkeit fachliches Lernen unterstützt und nicht als additive Sprachförderung konzipiert wird (Uribe, 2024; Prediger, 2020).
Aus mathematikdidaktischer Perspektive wird im Vortrag die Rolle mehrsprachiger Repertoires in der mathematischen Bedeutungskonstruktion fokussiert. Auf der Grundlage eigener Forschungsarbeiten wird aufgezeigt, wie Lernende in sprachlich heterogenen Unterrichtssituationen ihre sprachlichen Repertoires in mathematische Lernprozesse einbringen und wie diese Beiträge in sprachbildenden Lernumgebungen aufgegriffen und weitergeführt werden können (Uribe, 2024). Dabei wird Mehrsprachigkeit nicht als isolierte Ressource verstanden, sondern als Teil sprachlicher Praktiken mathematischen Lernens, die sich in sozialen Interaktionen entfalten (Barwell, 2018).
An ausgewählten Beispielen aus Unterricht und Forschung wird aufgezeigt, welche Möglichkeiten sich für den Einbezug mehrsprachiger Repertoires in mathematische Lernprozesse eröffnen und wie diese Arbeiten theoretisch verortet werden können (Planas, 2018). Abschliessend werden Konsequenzen für die Gestaltung sprachbildenden Mathematikunterrichts sowie für die Ausbildung von Lehrpersonen skizziert und zur Diskussion gestellt.
Literatur:
Barwell, R. (2018). From language as a resource to sources of meaning in multilingual mathematics classrooms. The Journal of Mathematical Behavior, 50, 155–168.
Erath, K., Prediger, S., Quasthoff, U., & Heller, V. (2018). Discourse competence as an important part of academic language proficiency in mathematics classrooms: The case of explaining to learn and learning to explain. Educational Studies in Mathematics, 99(2), 161–179.
Planas, N. (2018). Language as resource: a key notion for understanding the complexity of mathematics learning. Educational Studies in Mathematics, 98(3), 215–229.
Pimm, D. (1987). Speaking mathematically: Communication in mathematics classrooms. Routledge & Kegan Paul.
Prediger, S. (Hrsg.). (2020). Sprachbildender Mathematikunterricht in der Sekundarstufe: Ein forschungsbasiertes Praxisbuch. Cornelsen.
Uribe, Á. (2024). Mehrsprachigkeit im sprachbildenden Mathematikunterricht: Gelingensbedingungen und didaktische Potenziale in sprachlich heterogenen Klassen. Springer.