«Zwischen Türen»: Ein Theaterabend in Bewegung
Im diesjährigen Theaterprojekt des Studiengangs Sek I der PHSG geht es um Nähe, Grenzen und die Zukunft des Dorflebens. Dabei gibt es keine klassische Bühne. Die Zuschauer:innen erleben die Szenen an unterschiedlichen Orten im Hochschulgebäude Stella Maris.
Die Stühle im Saal des Hotels zur Goldenen Rose sind gut besetzt. Der Kanton hat die Bewohner:innen der beiden Nachbarsgemeinden Riedwil und Hohenau zu einer ausserordentlichen Versammlung geladen. Es geht um die Zukunft der beiden Dörfer, denn sowohl in Riedwil als auch in Hohenau ist die finanzielle Lage angespannt. «Die Bilanzen beider Gemeinden sind schon seit längerem in Schieflage», sagt die Kantonsvertreterin. Der Kanton könne nicht länger tatenlos zusehen, zudem stehe er unter Spardruck. «Wir sind hier, um über gemeinsame Sparmassnahmen zu sprechen.» Eine davon ist die Fusion der beiden Gemeinden.
Ein Wort, das in den Köpfen der Teilnehmenden nachhallt. Ungläubig schauen sie sich an und die Diskussionen beginnen. Zunächst sachlich, doch schon bald wird es persönlich. Wer gehört dazu, wer nicht? Was verbindet eine Gemeinde? Und wer sind eigentlich «die anderen»? Es entwickelt sich ein vielschichtiger Abend mit vielen Begegnungen, unausgesprochenen Fragen und einer spürbaren Spannung. Und doch gibt es auch Momente der Annäherung, in denen sich etwas zu verändern scheint.
Nerv der Zeit getroffen
Das Theaterstück des Studiengangs Sek I der Pädagogischen Hochschule St. Gallen (PHSG) «Zwischen Türen» erzählt von Menschen und der Diskrepanz zwischen dem, was sie sagen, und dem, was sie denken. Es stellt eine einfache, aber unbequeme Frage: Wie offen sind wir wirklich? Claudia Ehrenzeller, Projektleiterin und Leiterin der Fachstelle Theater, hat das Stück geschrieben. Die Idee dazu kam ihr in einer schlaflosen Nacht. «Plötzlich war das Thema Fusion da», sagt sie und lacht. Beim nächsten Treffen mit den Studierenden stellte sie ihre Idee vor und traf damit einen Nerv. «Alle sind sofort darauf angesprungen.» Rasch entstanden erste Figuren und Haltungen. Bald war klar, wohin die Reise geht. «Viele Menschen kreisen um ihre eigenen Bedürfnisse und Ängste», sagt Claudia Ehrenzeller. «Das, was für die Gemeinschaft gut wäre, rückt dabei oft in den Hintergrund.»
Ein Theater, mehrere Stationen
Insgesamt stehen 13 Figuren im Zentrum, etwa die Bäuerin, die um ihr Land bangt, der Sozialpädagoge, der die offene Diskussion begrüsst, die Gemeindepräsidentin, die auch der fusionierten Gemeinde vorstehen möchte, oder die Bademeisterin, die sich fragt, wie sie künftig all die zusätzlichen Kinder unterrichten soll. Die meisten Rollen werden von Studierenden der Sek I übernommen, einzelne Figuren sind von Lehrpersonen besetzt, die sich im Bereich Theater weiterbilden. Ergänzt wird das Ensemble durch die beiden Musiker:innen Patricia Fehr und Florian Bienst, die ebenfalls an der PHSG arbeiten und den Abend musikalisch begleiten.
Besonders ist in diesem Jahr die Form der Inszenierung. Gespielt wird nicht auf einer klassischen Bühne, sondern als Stationentheater. «Die Szenen finden an unterschiedlichen Orten im Stella Maris statt», sagt Claudia Ehrenzeller. Neben der Aula wird auch die Cafeteria bespielt, ebenso die Gänge und Ecken des Hochschulgebäudes in Rorschach. Geführt von den Schauspielenden bewegt sich das Publikum von Ort zu Ort. Alle Mitwirkenden haben in den letzten Wochen und Monaten viel Zeit und Herzblut ins Projekt gesteckt und auch in ihrer Freizeit geprobt. «Ich bin immer wieder begeistert davon, was in so kurzer Zeit mit so viel Kreativität und Elan eines tollen Ensembles entstehen kann», sagt Claudia Ehrenzeller.
Die Premiere findet am Freitag, 8. Mai 2026, um 20 Uhr im Hochschulgebäude Stella Maris in Rorschach statt. Eine weitere Aufführung ist am Montag, 11. Mai, um 20 Uhr, geplant.