Hochschulgebäude Stella Maris (19. Jh.), Bildquelle: Otmar Elsener

Geschichte der Pädagogischen Hochschule St.Gallen

Die heutige Gestalt der Pädagogischen Hochschule St.Gallen geht auf das Jahr 2007 zurück. Damals ging die PHSG aus zwei traditionsreichen Vorgängerinstitutionen hervor: der Pädagogischen Hochschule Rorschach (PHR) und der Pädagogischen Hochschule St.Gallen (PHS). Beide Einrichtungen besitzen ihre eigenen Entstehungshintergründe und ihren Stellenwert in der Geschichte des Schulwesens im Kanton St.Gallen.

Pädagogische Hochschule Rorschach PHR

Im Mai 1999 verabschiedete der Kantonsrat das Gesetz über die Pädagogische Hochschule Rorschach, welche 2003 ihren Betrieb aufnahm. Die Ausbildung von Kindergarten- und Primarlehrpersonen wurde dadurch in einer Institution vereint. In der PHR ging das frühere Lehrerseminar auf, welches 1856 als Teil der Kantonsschule St.Gallen konfessionsübergreifend gegründet worden war.

Das sanktgallische Lehrerseminar bezog 1864 in Rorschach den Liegenschaftskomplex Mariaberg, welcher auch heute noch durch die PHSG genutzt wird. Mariaberg war im 15. Jahrhundert ursprünglich als Kloster erbaut worden, diente jedoch nie diesem Zweck. Im 17. Jahrhundert beherbergte es mit einer Klosterschule samt Gymnasium eine erste Bildungsinstitution. 

Ergänzend stand der PHR seit der Jahrtausendwende auch der Gebäudekomplex Stella Maris zur Verfügung, wo seit 1914 bis Ende der 1980er Jahre das 1853 gegründete Töchterinstitut der Menzinger Schwestern beheimatet war. 1990 kaufte der Kanton dem Frauenorden das Gebäude ab, mit der Absicht, ein Schulentwicklungs- und Bildungszentrum zu gründen. Das Töchterinstitut wurde aufgelöst. Das Gebäude Stella Maris wird heute von der PHSG weitergenutzt.

Pädagogische Hochschule St.Gallen PHS

1980 erliess der Grosse Rat des Kantons St.Gallen das Gesetz über die Pädagogische Hochschule St.Gallen, die 1983 auch vom Bund als Hochschule anerkannt wurde. Die PHS ging aus der ehemaligen Sekundarlehramtsschule hervor, die an der Kantonsschule St.Gallen seit 1867 geführt worden war. Dieser Lehrgang vermittelte den Kantonsschülern fachliches Zusatzwissen im Bereich Technik, jedoch keine pädagogischen und didaktischen Werte. Erst 1872 wurde das Berufsfach Pädagogik in die Ausbildung integriert. 

Die PHS war ursprünglich auf elf Standorte verteilt und wurde erst Mitte der 1990er im denkmalgeschützten Gebäude Hadwig untergebracht. Das Gebäude wurde Anfang des 20. Jahrhunderts als Primarschulhaus für Mädchen erbaut. Zwar gab es schon ab 1919 erste Bubenklassen in der Primarschule, gemischte Klassen wurden jedoch erst ab 1952 im Hadwig geführt. In den 1970er Jahren sank die Schülerinnenzahl und das Gebäude wurde der PHS zur Verfügung gestellt.

2005 wurde das Arbeits- und Hauswirtschaftslehrerinnenseminar (AHLS), das seit 1981 in Gossau angesiedelt war, in die PHS integriert. Das AHLS bot die Ausbildung zur Arbeits- und Hauswirtschaftslehrerin der Oberstufe oder der Primarstufe an. Im Jahr 2003 wurde die AHLS in Folge einer Studienreform zum integralen Bestandteil der Sekundarlehrerausbildung. Die Fächer Bildnerisches Gestalten, Hauswirtschaft, Handarbeit und Werken wurden nun von der PHS angeboten und in den normalen Unterricht integriert. Die AHLS wurde im Sommer 2005 aufgelöst. Die PHS übernahm das Schulgebäude in Gossau im März 2006.

Fusion zur Pädagogischen Hochschule des Kantons St.Gallen

Am 18. Februar 2003 beauftragte der Kantonsrat die Regierung, die beiden bestehenden Pädagogischen Hochschulen St. Gallen und Rorschach bis spätestens 31. Juli 2007 zusammenzuführen. Mit der Zusammenführung sollte eine einzige Pädagogische Hochschule geschaffen werden, an der Lehrkräfte für den Kindergarten, die Primar-, Sekundar- und Oberstufe ausbildet werden.
Am 23. Februar 2006 verabschiedete der Kantonsrat das Gesetz über die Pädagogische Hochschule des Kantons St. Gallen. Der ehemalige Rektor der PHR und interimistische Rektor der PHSG, Prof. Dr. Erwin Beck, wurde im Juni 2006 zum neuen Rektor der PHSG gewählt.

Neuste Entwicklungen

Am 1. September 2007 nahm die PHSG ihren Betrieb auf. Sie setzt auf einen kontinuierlichen und bedarfsorientierten Ausbau ihres Angebots. 2008 wurde beispielsweise der neue MAS-Studiengang «Berufsfachschullehrpersonen für berufskundliche Fächer im Hauptberuf» eingeführt. Zwei Jahre später starteten die MAS- und CAS-Studiengänge «Allgemeinbildender Unterricht». 2012 wurden diese Lehrgänge für Lehrpersonen der Berufsbildung in den Grundauftrag der PHSG aufgenommen und werden seither als Diplomstudiengänge geführt. 

Weiterführende Literatur

Amt für Kulturpflege des Kantons St.Gallen (Hrsg.). (1978). Mariaberg Rorschach. Festschrift aus Anlasse der Restaurierung 1969-1978. Rorschach: Verlag E. Löpfe-Benz. 

Bernhard, A. (1982). Rorschach. Ehemaliges Kloster Mariaberg heute Kantonales Lehrerseminar. St.Gallen: Amt für Kulturpflege des Kantons St.Gallen. 

Clivio, G. (1977). Geschichte der Lehrerbildung im Kanton St. Gallen. Kantonales Lehrerseminar Mariaberg Rorschach 1856-1977. St.Gallen: Kantonaler Lehrmittelverlag St.Gallen. 

Erat, R. (Hrsg.). (2014). Chronik. 150 Jahre Lehrerinnen- und Lehrerbildung auf Mariaberg Rorschach. Rorschach: Stiftung Mariaberg.

Kantonales Lehrerinnen- und Lehrerseminar Mariaberg (Hrsg.). (2003). Bildung auf Mariaberg. Einblicke, Ausblicke, Fragmente. Rorschach: Kantonales Lehrerinnen- und Lehrerseminar.

Lehrschwestern vom Heiligen Kreuz in Menzingen (Hrsg.). (1954). 100 Jahre Stella Maris Rorschach 1854 – 1954. Rorschach.

Stickel, E. (Hrsg.). (1995). Das Hochschulgebäude Hadwig, Ort des Lernens, Lehrens und Forschens. St.Gallen: Fachverlag für Wissenschaft und Studium.