Neues SNF-Projekt zur Förderung der evidenzinformierten Gestaltung des Leseunterrichts
Lesekompetenz ist zentral für die erfolgreiche Bewältigung gesellschaftlicher und kultureller Herausforderungen, doch wie die PISA 2025 Ergebnisse erneut gezeigt haben, verfügen viele Jugendliche in der Schweiz nur über grundlegende Lesefähigkeiten.
Obwohl umfangreiche wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen, wie das Lesen gefördert werden kann, erreichen diese die Schulen oft nur vereinzelt. Insbesondere die große Menge und Komplexität wissenschaftlicher Publikationen erschwert Lehrpersonen den Zugang zu relevanten Forschungsergebnissen.
Das Projekt STAIR („Supporting Teachers’ Engagement with Scientific Evidence Through Artificial Intelligence – Assessing Its Added Value in Reading Instruction“) untersucht daher, wie Künstliche Intelligenz Lehrpersonen beim Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen unterstützen kann. Im Zentrum steht die Entwicklung und empirische Evaluation der KI-gestützten Anwendung „MyResearchMate“, deren Large Language Model auf dem Schweizer Open-Source-Modell Apertus basiert. Eine domänenspezifische Wissensbasis integriert kuratierte wissenschaftliche Evidenz zur Förderung der Lesemotivation auf Grundlage der Selbstbestimmungstheorie nach Deci und Ryan. In drei aufeinander aufbauenden Phasen untersucht STAIR, wie unterschiedliche Formen KI-gestützter Wissenschaftskommunikation die Auseinandersetzung von Lehrpersonen mit wissenschaftlicher Evidenz beeinflussen, inwiefern diese Auseinandersetzung professionelles Denken und unterrichtliche Entscheidungsprozesse verändert und wie sich die Nutzung von MyResearchMate im schulischen Alltag auf Selbstwirksamkeit und den Einsatz motivationsförderlicher Unterrichtsstrategien auswirkt. Randomisierte Experimente werden dabei mit einem sechswöchigen Feldversuch kombiniert. Ziel ist es, die evidenzinformierte Gestaltung des Leseunterrichts nachhaltig zu stärken und dadurch Bedingungen zu schaffen, in denen Jugendliche an Schweizer Schulen positive Leseerfahrungen machen können.
Das vierjährige Forschungsprojekt wird vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) gefördert und läuft voraussichtlich von Januar 2027 bis Dezember 2030. Projektleiterin ist Dr. Franziska Locher. Im Projekt arbeiten zudem zwei Doktorierende mit. Zu den Kooperationspartnern gehören Prof. Dr. Dominik Petko von der Universität Zürich sowie Prof. Dr. Maik Philipp von der Pädagogischen Hochschule Zürich.