ACCOMPAGNA begleitet bei der Ankunft im Schweizer Schulwesen
Im Projekt «ACCOMPAGNA» unterstützen Studierende der Pädagogischen Hochschule St.Gallen neu zugewanderte Kinder bei der Integration ins Schweizer Bildungswesen. In den vergangenen zehn Jahren konnten über 300 Kinder aus 50 Herkunftsländern von diesem Angebot profitieren.
Einen Vortrag vorbereiten, den richtigen Bus für den Weg in die Schule finden und – immer wieder – Sprachkompetenzen stärken: Kinder sehen sich nach dem Zuzug in die Schweiz grossen Herausforderungen gegenüber, die es ihnen erschweren, im Schweizer Bildungswesen Fuss zu fassen. Das Projekt «ACCOMPAGNA – Bildungschancen für neu zugewanderte Kinder erhöhen» hilft seit nun zehn Jahren, diese Hürden abzubauen. Studierende der Pädagogischen Hochschule St.Gallen (PHSG) unterstützen neu zugewanderte, oft geflüchtete Kinder beim Ankommen.
«Die Kinder, die an ACCOMPAGNA teilnehmen, sind extrem unterschiedlich in ihren Voraussetzungen», sagt Dr. Julia Ha, Co-Leiterin des Projekts. Gemeinsam sei ihnen, dass sie in ihrem neuen Alltag Orientierung finden müssen. «Sie sollen am neuen Lernort ein Gefühl von Sicherheit entwickeln.» Die Studierenden knüpfen dafür an die Ressourcen der Kinder an. «Es ist frustrierend, wenn die zugewanderten Kinder auf das reduziert werden, was sie nicht können. Unsere Studierenden zeigen ihnen, wie sie ihre Stärken, die auch in Fächern wie Mathematik, Englisch, Sport oder Musik liegen können, für die Arbeit an Defiziten einsetzen können.» Idealerweise erlernen die Kinder dabei sowohl praktische Voraussetzungen – wie organisiere ich meinen Arbeitsplatz, wie gehe ich mit Hausaufgaben um – als auch schulische Inhalte, wobei in der Regel der Spracherwerb im Vordergrund steht.
Lehrpersonen sagen, wo Hilfe nötig ist
Um den Förderbedarf der ihnen anvertrauten Kinder zu ermitteln, führen die Studierenden der PSHG ein Erstgespräch mit der Klassenlehrperson des Kindes. Während der jeweils halbjährigen Coachingphasen stehen sie regelmässig in Kontakt mit der Lehrperson und erfahren so, ob es eine Prüfung oder einen Vortrag vorzubereiten gilt oder ob für ein bestimmtes Fach der Wortschatz aufgebaut werden soll.
Eine Teilnehmerin, die mit 13 Jahren ins Projekt ACCOMPAGNA eingetreten ist, blickt zurück: Die Studentin, die sie betreute, habe ihr insbesondere beim Lernen von Schweizerdeutsch, bei Vertiefungsarbeiten und Prüfungsvorbereitungen geholfen. «Sie war eine grosse Hilfe für mich und ich bin froh, dass ich sie kennengelernt habe», sagt die Frau, die heute als Zahnarztsekretärin mitten im Berufsleben steht.
Erfahrungen für das Berufsleben
Die Studierenden sammeln mit ihrer Mitwirkung im Projekt nicht nur ECTS-Punkte für das Studium, sondern wichtige Erfahrungen, von denen sie in ihrer beruflichen Laufbahn profitieren können. «Ich habe mich oft dabei ertappt, wie ich meinem Schüler das Wort, das er gesucht hat, zu früh vorgesagt habe», sagt etwa Daniela Imhof, eine Studentin im Studiengang Sek I. Sie habe gelernt, den Kindern genügend Zeit zu lassen, um selbst zu einer Lösung zu kommen.
Bisher haben über 300 Studierende ebenso viele Kinder aus 50 Herkunftsländern in ihrer schulischen Integration unterstützt. Im aktuellen halbjährigen Förderzyklus arbeiten 15 Tandems aus Schüler:in und Student:in in der Regel während 24 Lektionen zusammen. An dieser Erfolgsgeschichte will die PHSG auch in Zukunft weiterschreiben: Im Rahmen der Jubiläumsfeier des Projekts ACCOMPAGNA am 9. September konnten alle Teilnehmenden in einem Zukunftscafé Ideen für die Weiterentwicklung einbringen.