Zwei IPP-Studien zum Thema COVID-19 und Bildung in Learning and Instruction publiziert
Gleich zwei Arbeiten mit Beteiligung von Wissenschaftler:innen des IPP-PHSG sind im Special Issue «Short- and long-term effects of the COVID-19 pandemic on student achievement: New insights» der renommierten internationalen Fachzeitschrift Learning and Instruction erschienen.
Ein Beitrag untersucht die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die Lernentwicklung von Schüler:innen in der Schweiz. Auf Basis umfangreicher Längsschnittdaten aus den St.Galler Lernfördersystemen wurde analysiert, wie sich die Lernfortschritte während der Pandemie entwickelten und welche Rolle digitale Lernangebote dabei spielten. Die Ergebnisse geben Hinweise darauf, dass es in der Schweiz wohl keine «learning losses» gab – anders als in vielen anderen Ländern. Darüber hinaus deuten die Befunde darauf hin, dass die Pandemie einen «Digitalisierungsboost» an Schweizer Schulen ausgelöst hat.
Unger et al. (2026): https://doi.org/10.1016/j.learninstruc.2026.102338
Ein weiterer Beitrag richtet den Blick auf die internationale Ebene. Anhand von Daten aus vier PISA-Erhebungen sowie Informationen zu pandemiebedingten Massnahmen in 47 Ländern untersuchten die Forschenden, welche Unterrichts- und Lernbedingungen während der Pandemie vorherrschten und wie diese mit der Leistungsentwicklung von Schüler:innen zusammenhängen. Die Analysen identifizierten drei Gruppen von Ländern mit unterschiedlichen Merkmalen des Fernunterrichts: familiengestützter asynchroner Unterricht, ausgeprägt lehrpersonengeleiteter synchroner Unterricht sowie stark unterbrochene Unterrichtsprozesse. Besonders Länder mit regelmässigem synchronem Unterricht und engem Kontakt zwischen Lehrpersonen und Lernenden erzielten nach der Pandemie höhere Schülerleistungen. Gleichzeitig vergrösserten sich in diesen Ländern die Leistungsunterschiede zwischen Schüler:innen unterschiedlicher sozialer Herkunft stärker.
Pham, Locher et al. (2026): https://doi.org/10.1016/j.learninstruc.2026.102366
Mit den beiden Publikationen leistet das IPP einen wichtigen Beitrag zur internationalen Beforschung der Auswirkungen der COVID-19-Pandemie. Die Studien liefern neue Erkenntnisse darüber, wie sich die Pandemie auf Lernprozesse, Bildungsleistungen und Chancengerechtigkeit ausgewirkt hat und welche Faktoren für die Gestaltung resilienter Bildungssysteme künftig von besonderer Bedeutung sind.