Dreiklang von Spiel – Kind – Musik

Am Freitag, 24. November 2017 und Samstag, 25. November 2017 fand in Rorschach die Tagung Spiel – Kind – Musik der Pädagogischen Hochschule St.Gallen (PHSG) in Zusammenarbeit mit der Hochschule der Künste Zürich (ZHdK) statt. Neben vier Referaten wurden zehn unterschiedliche Workshops angeboten.

Zur Tagungseröffnung nahm Elisabeth Karrer den Titel «Spiel-Kind-Musik» auf. Denn in der Musik habe das Spiel habe schon immer eine zentrale Rolle eingenommen, begründete die Dozentin im Bereich Kultur und Schule und Fachdidaktikerin Fachbereichsteam Musik. Dr. Heidrun Neukamm, Prorektorin PHSG Studiengang Kindergarten- und Primarstufe, sprach in ihrem Grusswort das Alter der Zielgruppe an. Bewusst seien Kinder von drei bis neun Jahren angesprochen, um auch Kindertagesstätten miteinzubeziehen. Die Veranstaltung solle die Teilnehmenden vor allem zum Hinterfragen anregen.

Ist Improvisation der Schlüssel zum Erfolg?
Dr. Charlotte Fröhlich, Dozentin (PHNW) und Gastforscherin der Universität Potsdam, referierte über die Entwicklung von Beziehungsqualität in der Improvisation. Anhand eines Forschungsprojekts stellte sie die These auf, dass eine musikalische Gestaltung umso reicher sei, wenn eine gute Beziehungsqualität zwischen den Schülerinnen und Schülern bestehe.

«Blubb» sagt die Seifenblase und zerplatzt
Haben Kinder Angst vor der Musik? Haben es die Erwachsenen? Mit diesen Fragen eröffnete Dr. Manuela Widmer, Dozentin Musik- und Tanzpädagogik, ihren Workshop zum lustvollen und spielenden Erlernen von musikalischen Strukturen. Durch Spielformen wie das Fantasiespiel, wie beispielsweise die Imitation einer Seifenblase, wurde die Fantasie der Teilnehmerinnen angeregt. Instrumentale sowie vokale Klänge ergänzten die Gestaltungswege der kleinen und grösseren Bewegungen.

Geräusche und Lärm als Notwendigkeit
Der Mensch ist ein Wesen, dass konstant Töne und Geräusche von sich gibt. Die absolute Stille erträgt der Mensch kaum. «Dank Tönen fühlen wir uns geborgen im Dasein», so Dr. Allan Guggenbühl, Dozent (PHZH), Psychologe und Psychotherapeut. Die Musik dient auch als Erinnerungsmarke: Viele Musikstücke haben eine Bedeutung und erinnern an bestimmte Momente. Meistens sagen sie etwas über die Qualität der Lebensphase aus und zeigen an, ob es beispielsweise eine konfliktreiche oder träumerische Phase war. So ist das Hören der Musik auch ein mentaler Akt, denn Töne lösen Bilder in uns aus. «Wir suchen uns die Musik, die zu uns passt. Unsere Musikpräferenzen spiegeln unsere Persönlichkeit.»

Die Bedeutung der Musik
Am zweiten Tag begrüsste Dr. Horst Biedermann, Rektor der PHSG, die Tagungsgäste. Er führte aus, dass die Musik ein wichtiger Inhalt der kindlichen Erfahrungswelt darstelle. Musik könne nicht nur ein Wohlgefühl oder eine Erwartungshaltung stimulieren, sondern sie führe auch zum Wachstum der Nervenzellen beider Gehirnhälften.

Glück und Zufall
Zum Thema «Zufall, Glück und Ungewissheit» hielt Dr. Corinna Vogel, Professorin für Musikpädagogik, ein Referat. Nach einem «Philosophischen Exkurs», was Glück sowie Zufall überhaupt sei und ob man es brauche, definierte sie den Begriff der Ästhetischen Erfahrung. Es sind die sinnlichen Wahrnehmungen, die Emotionen und das Erleben. Im Lehrprozess geht es unter anderem darum, ästhetischen Erfahrungsmöglichkeiten zuzulassen und ihnen Raum und Zeit zu geben. Feste Regeln, Impulse sowie Spontaneität sind drei Parallelen, welche das Tanzen und Musizieren zum Spiel aufweisen.

«Funga alafia»
Christian Berger, Leiter Studienbereich Elementare Musikpädagogik (MA und Dozent für Fachdidaktik und Kollektive Musizierformen (ZHdK), leitete einen Workshop «Experimenten, Strukturen und Kreationen». Um sich gegenseitig kennenzulernen, durften sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht die Hand reichen, sondern mussten verschiedene Begrüssungsgesten erfinden. Anschliessend wurden die einzelnen Begrüssungsformen zu einer Choreographie zusammengefügt. Als Alternative bietet sich zum Kennenlernen auch das Begrüssungstanzlied «Funga alafia» aus Ghana an.

Wenn Erwachsene spielen dürfen
Spiel kommt ursprünglich aus dem Althochdeutschen spil und bedeutet so viel wie «Tanzbewegung». «Ohne Bewegung gibt es also kein Spiel», so Claudia Wagner, Professorin und Leitung Studienbereich Musik und Bewegung/Rhythmik, Dozentin für Bewegungstechnik. Meist ist das spielerische Verhalten von Erwachsenen nur dann erlaubt, wenn es einen Grund dafür gibt. Scheinbar ist das Erwachsenensein an vernünftiges Verhalten und an Gesellschaftsnormen gebunden. Jedoch ist der Mensch spiel- und lernfähig veranlagt und lebenslanges Lernen bedingt lebenslanges Spielen. Gemäss Homo ludens von Johan Huizinger (1938) ist das Spiel älter als der Mensch und bildet das Fundament der menschlichen Kultur. So soll der erwachsene Mensch im Spiel sein wie er ist und sein Leben spielerisch betrachten.

Ene mene muh und raus bist du
Abzählreime eignen sich hervorragend um musikalische Strukturen lustvoll und spielend zu erlernen. Zudem bietet sich die Möglichkeit an andere Kulturen und deren Sound zu hören und es steckt ein enormer Mehrwert dahinter. Die Kinder lernen zu verorten und Kinderreime verbinden ganze Kulturen. Mit Elan und Freude begleitete Evelyn Fink-Mennel, Dozentin und Autorin, die gesungenen Aufzählreime mit ihrem Akkordeon. Sie regte die Teilnehmenden des Workshops «Kinderreime, Jodler, peppige Volkslieder» zu Soli in ihrer Muttersprache an.

Tanzender Abschluss
Unter Leitung von Dr. Corinna Vogel tanzten alle Beteiligten schwungvolle Kindertänze mit geführten und freien Formen. In fröhlicher beschwingter Stimmung klang die Tagung aus.