Interreligiöses Lernen in der Schule

In Gossau fand am Mittwoch, 8. Mai 2019 die Eröffnungsfeier des Kompetenzzentrums Interreligiöses Lernen in der Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen (KIAL) der Pädagogischen Hochschule St.Gallen (PHSG) statt.

An der Eröffnungsfeier des KIAL drehte sich alles um die Frage: «Wie gelingen Respekt und Toleranz im Umgang mit Religionen?» Prof. Dr. Horst Biedermann, Rektor der PHSG, begrüsste die anwesenden Gäste. Er griff die Gedanken von Fried auf «Wenn wir das Leben lieben, können wir nicht lieblos zu unserer Zeit sein.» Es würden Mauern aufgebaut und die gegenwärtige Zeit scheine eine Unzeit zu sein. Das KIAL stelle sich den Entwicklungen der Trennungen entgegen, dies solle gefeiert werden.

Wasser und Tee
Anhand der Metapher «Wasser und Tee» erläuterte Prof. Dr. Roland Reichenbach, Professor für Allgemeine Erziehungswissenschaft am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Zürich (UZH), den Unterschied zwischen einer ethisch-spirituellen Grundlage (aller Menschen) und dem Wesen spezifischer Religionen. Es gebe viele Teesorten auf der Welt und sie mögen ihre Unterschiede haben, dennoch hätten sie eines gemeinsam, nämlich das Wasser. Diese Metapher sei elementar und lasse sich auch auf Religionen adaptieren, um die Bildungsschritte interreligiösen Lernens zu verstehen. Dabei spielten die Metaphern des Gleichgewichts und des Ungleichgewichts eine entscheidende Rolle. Da der oder die Lernende etwas aufgeben müsse, sei der Prozess des Umlernens schwieriger als derjenige der Assimilation. Was vorher kognitive Sicherheit gab, solle jetzt umgedacht werden.

Interreligiöses Lernen sei ein spezifischer Bestandteil sozialen Lernens. Gelernt werde, die eigene Sichtweise und die der anderen zu koordinieren. Mit diesen Dezentrierungsprozessen beginne sich die Perspektive zu verändern, insofern können Entwicklung und Bildung nie freiwillig sein.
 

Religiöse Sichtweisen und Antworten
Auf das Impulsreferat von Roland Reichenbach gaben Dr. Annette Böckler, Fachleiterin Judentum am Zürcher Institut für interreligiösen Dialog (ZIID), Prof. Dr. Thomas Schlag, Professor für Praktische Theologie an der Theologischen Fakultät der Universität Zürich, sowie M.A. Nadire Mustafi, islamische Religionspädagogin am Schweizerischen Zentrum für Islam und Gesellschaft (SZIG) Antwort aus jüdischer, christlicher und muslimischer Sicht.

Dr. des. Jasmine Suhner, Oberassistentin am Lehrstuhl für Praktische Theologie an der Theologischen Fakultät der Universität Zürich präsentierte die erste Publikation des KIAL. Sie betonte, dass die PHSG sich seit langem um den Dialog bemühe sowie die Menschenrechte und interkulturelle Bildung fördere. Jasmine Suhner rief zu mehr religiöser Toleranz, Autonomie und Religionsfreiheit auf. «Wir sind alle abhängig vom Engagement aller.»
Pfr. Martin Schmidt, Kirchenratspräsident der evangelisch-reformierten Kirche des Kanton St.Gallen bedankte sich bei allen Anwesenden. Er sei stolz auf das Erreichte und dass eine Partnerschaft zwischen Schule und Kirche bestehe.

Prof. M.A. Monika Winter, Dozentin ERG an der PHSG und Leiterin des KIAL, verglich die Eröffnung des KIAL mit dem Öffnen einer Schatzkiste. Um Bildungsstufen im interreligiösen Feld erklimmen zu können, sei es wichtig, dass die Fragen und das Interesse für Gemeinsamkeiten und Divergenzen verschiedener Weltanschauungen und religiöser
Traditionen geweckt und aufrechterhalten würden. Dabei lohne es sich, in die Tiefe zu graben. Nebst Steinen fänden sich dabei auch Schätze, die es lohne aus der Dunkelheit zu heben, selbst wenn beim Graben noch nicht klar sei, was gefunden werde. «KIAL: Damit wir lernen, unsere Schätze miteinander zu teilen.»