Chancen des digitalen Wandels in der Berufsbildung

Am 8. OKB-Symposium von Freitag, 8. Dezember, in St.Gallen diskutierten Bildungsexperten, Unternehmer und Wissenschaftler über den rasanten Wandel und dessen Auswirkungen auf die Berufsbildung. Rund 400 Bildungsprofis nahmen am Symposium teil, das von der Pädagogischen Hochschule St.Gallen (PHSG), dem Zentrum für berufliche Weiterbildung (ZbW) und dem Institut für Wirtschaftspädagogik der Universität St.Gallen (IWP-HSG) organisiert wurde.

Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt und mit ihr auch die Berufsausbildung. Die Folgen sind noch nicht absehbar. Doch welche Chancen bietet der digitale Wandel? Welche Gefahren lauern? Und: Ist das Schweizer Berufsbildungssystem auf die digitale Transformation vorbereitet? Diese und andere Fragen standen im Zentrum des 8. OKB-Symposiums. Rund 400 Berufsbildungsverantwortliche aus der ganzen Ostschweiz waren in die Olma-Halle nach St.Gallen gekommen, um mit Bildungsexperten, Unternehmern und Wissenschaftlern über das Thema «Berufsbildungsprofis im rasanten Wandel» zu diskutieren. Moderiert wurde der Anlass von Maximilian Koch. Als Dozent an der PHSG und ehemaliger Berufsfachschullehrer, kennt er die Berufsbildung mit all ihren Facetten.

Vom Realschüler zum Unternehmer
Einer der Referenten war Daniel Niklaus. Der Teufner ist Inhaber des Software-Unternehmens Netlive IT AG und gehört zu den Schweizer Pionieren des Internets. Mehr als 500 Internet- und Softwareprojekte hat die Netlive IT AG seit der Gründung im Jahr 1995 für Grosskunden wie das Schweizer Fernsehen (Aufbau des Videos on Demand), die Credit Suisse (E-Learning) oder Néstle (Onlinespiele) umgesetzt. Für Daniel Niklaus ist die Digitalisierung denn auch kein Unwort. Im Gegenteil, sagte er, «sie ist das Beste, was mir passieren konnte». 
Auf unterhaltsame Weise erzählte der erfolgreiche Unternehmer, wie er als ehemaliger Realschüler 1993 sein erstes eigenes Geschäft in Niederteufen – ein Videoshop – eröffnete und wie die Digitalisierung in der Folge Einfluss auf sein Unternehmertum nahm. Getreu seinem Motto: «Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit.» Er ist nicht gegangen. 
Anhand ein paar weniger Klicks zeigte er ebenfalls auf, wie einfach es heute ist, im Internet ein eigenes T-Shirt zu gestalten oder einen eigenen Radio-Spot zu kreieren. Angst, dass wegen der Digitalisierung viele Menschen den Job verlieren, hat er nicht. «Als Software-Spezialist ist es unsere Aufgabe, die Leute von langweiligen Jobs zu befreien», sagte er mit einem Augenzwinkern und fügte an: «Es wird neue, andere Jobs geben. Ausserdem werden Unternehmen immer weniger wichtig, unternehmerisches Denken und Handeln hingegen umso mehr.» Heute setzt Daniel Niklaus auf künstliche Intelligenz, weil «diese Veränderung noch gewaltiger sein wird als das, was wir in den letzten 25 Jahren erlebt haben».

«Alle suchen nach Lösungen»
Über den digitalen Wandel und seine Auswirkungen auf die Berufsbildung sprachen am Symposium auch Valérie Schelker (Personalchefin der Post AG), Ursula Renold (Leiterin Forschungsbereich Bildungssysteme ETH Zürich), Helmut Willke von der Zeppelin Universität Friedrichshafen und Querdenker Mark Riklin. «Alle suchen nach Lösungen, wie mit der Digitalisierung umzugehen ist», sagte Ursula Renold. Das Schweizer Berufsbildungssystem sei diesbezüglich weit fortgeschritten. «Aber aus Sicht der Forschung müssen innovative Firmen und Querdenker künftig noch mehr in die Reformgruppe miteinbezogen werden. Damit wir 2030 eine noch stärkere Berufsbildung haben.»